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Aurelia Becker: Schriftstellerin, Philosophin und Bloggerin

Aurelia Becker: Schriftstellerin, Philosophin und Bloggerin.

Aurelia Becker Bloggerin
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Mein Mann fragt, ob wir auf der Heimreise einen Abstecher nach Weimar machen können. Nicht wegen Schiller. Er sammelt Oldtimer. Will ein Auto mit dem Geburtsjahr seiner Mutter kaufen.

 

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Die Schlachtplatte ist gewagt. Ich bin im Kloster und zum Zmittag gibt’s Blut- und Leberwürste. Zwar nur im Gästesektor – aber die Brüder in den langen Kutten essen dasselbe. Im Festsaal tagen Männer in grauen Hosen und Jacketts. Manche pilgern zweimal ans Buffet.

Morgens, mittags, abends. Am Nachmittag mit Streusel.

Und auf dem Schuh der Schwester blitzt eine Goldschnalle.

Ich bin hier zum Denken.

Ich bin hier zum Schreiben.

Ich bin hier zum Sein.

Guten Morgen.

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Im Sommer, wenn möglich, fahren wir an die Ostsee. Kilometerlange Sandstrände. Paradies für ausgedehnte Spaziergänge. Nächtigen tun wir im teuersten Hotel. Da kostet alles mehr. Die Beauty-Behandlung ebenso wie der Drink an der Bar. Aber wir lieben es und kommen jedes Jahr wieder. Dieses Jahr erstmals mit Hund.

Mein Mann kommt aus der ehemaligen DDR. Nacktbaden bedeutet für ihn subversive Freiheit. Ich akzeptiere das, obwohl der Anblick nackter Massen (meistens ältere, eher füllige und von der Sonne gegerbt-verbrannte Menschen) mein ästhetisches Auge erschrecken lassen. Trotzdem kann ich die Tage mit ihm am FKK-Strand mittlerweilen geniessen: Das wilde Schwimmen im Wasser tut gut. Und für den Blick beim Liegen haben wir uns eine Stoffwand besorgt. Windschutz heisst das hier.

Aber diese Saison haben wir ein Problem. Der Riesenstrand ist in verschiedene Abschnitte geteilt. Für Hund, textil oder eben nackt. Und seit Anfang Jahr haben wir einen solchen: Hund. Er heisst Frisbee und ist zottelig und bunt. Einer zum Mögen, einer, bei dem ich ängstlichen Menschen zurufe: "Der macht nichts".

Wir wollen an den Strand. Beim Nacktstrand sind Hunde verboten, beim Hundestrand das Nacktsein. Was machen wir nur? Mein Mann nimmt das locker. Lachend meint er: "Houston, wir haben ein Problem.", schnappt sich die Leine und spaziert zum Jagdschloss Granitz.

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Luca und die erste Klasse

Luca ist die App der Stunde. Überall wo du reingehst, checkst du dich ein. QR-Code. Sie wissen dann fast alles über dich. Alter, Geschlecht, Herkunft, Name. Du bewegst dich innerhalb des Netzes. Wirst es nicht mehr los. Ob Lingerieshop, veganes Restaurant oder Historisches Museum. Alles auf Sekunden genau gespeichert. Tja, Corona halt. Langsam wird mir das zuviel. Ich mache Urlaub. Berlin und Rügen. Mit dem Zug.

Vorgebuchter Regionalzug. Erste Klasse. Keine Reservation möglich. Auslastung gering. Bereits auf dem Bahnsteig wird klar: Die Berliner Jugend hat Ferien. Der Zug hat ein halbes (obere Etage eines Doppelstöckers) Abteil erste Klasse. Vier Stunden werde ich darin verbringen. Ich steige hoch und nehme Platz. Ach du meine Güte. Das Abteil wird geflutet. Vorpubertierende Kinder mit einem, den sie Thomas nennen. Die Kinder (über zwölfjährig) tragen kaum Maske, sind laut und fröhlich. Thomas motzt die Erstklass-Gäste an. Fühlt sich wie zuhause. Ich frage mich, ob erste Klasse zeitgemäss ist. Dass Leute, die mehr zahlen möchten und können, privilegiert reisen dürfen. In der DDR gabs das (offiziell) nicht. Eingepfercht, umringt von meinen Reisetaschen und -koffern (man nimmt auch nicht soviel mit!), denke ich: Das wars dann für die nächsten vier Stunden.

Inständig hoffe ich, die Tickets würden kontrolliert. Ich denke: Der Schaffner wird die Gruppe schon des Platzes verweisen. Nach zwei Stunden ist es soweit. Die freundliche Kontrolleurin meint, der Zug sei überbucht. In einer Stunde würde die Gruppe aussteigen. Viele sitzen am Boden. An einen Durchgang aufs Klo ist nicht zu denken. Stralsund. Erlösung. Der Zug nach Ostseebad Binz fährt gleich gegenüber. Er führt nur zweite Klasse. Nach einer Stunde bin ich am Ziel. Kurhotel. Direkt am Meer. Immerhin das.

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Covidhormone

Meine Eltern haben mich gegen alles nötige geimpft. Pocken, Tuberkulose, Starrkrampf, Tollwut. Der Solidaritätsgedanke ebenso wie ein gewisser Reiseegoismus liessen mich kaum zögern: Ja, ich will auch jetzt. Moderna heisst der Saft und er fliesst komplikationslos in meinen linken Oberarm. Nachts kann ich kaum schlafen. Ich weiss jetzt, dass ich auf der linken Seite schlafe, denn jedesmal, wenn meine linker Oberarm mit der Matratze in Berührung kommt, erwache ich schmerzvoll. Die Tage danach fühle ich mich müde und irgendwie anders. Kompakt. Aber anyway, der eingeschlagene Weg ist richtig, auch wenn ich neun Tage später einen sogenannten Moderna-Arm bekomme. Eine rotheisse Riesenborbel.

Zweiter Impftermin. Vorsichtshalber mache ich für die nächsten zwei Tage keine Termine. Der Einstichort schmerzt schnell, mir wird heiss und kalt und ich lege mich hin. Zweieinhalb Tage hochfiebriger Schüttelfrost. Das ist keine Impfung, das ist eine kontrolliert induzierte Corona Infektion.

Seit Jahren bin ich wegen massiver Wechseljahrbeschwerden in naturärztlicher Behandlung. Langsam und stetig eroberte ich mir meinen Körper zurück. Zuletzt ging es mir so gut, dass ich meinte, ich sei über dem Berg. Kaum mehr Wallungen, keine übelriechende Schweissattacken, Depressionsanfälle oder Aufgedunsenheitsgefühl. Und jetzt, nach all den Jahren kommen die Beschwerden mit voller Wucht zurück. Geh kaum mehr raus. Bin aggressiv und fahrig. Schwitze auch im Regen vor mich hin. Fühl mich hässlich dick. Die Hormone spinnen.

Ich weiss nicht, ob ich mich ein weiteres Mal impfen werde.

von Aurelia Becker (Kommentare: 0)
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