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von Aurelia Becker
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Edward Hopper in Riehen

New York 1995, Herbst. Ich bin im Whitney Museum of American Art und es eröffnen sich mir Welten. Edward Hopper. Einsam, klar und voller Licht. Fast ein Vierteljahrhundert später bin ich an der Hopper-Vernissage der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel und schaue auf Landschaften, Häuser und vereinzelt Menschen. 

Meine Begleitung mag sie nicht, diese grünen Bilder. Zuviel Landschaft wird moniert. Die Menschen, ja die Menschen und die Zapfsäulen, die sind toll. Sehen wir auf Hoppers Bildern eine Frau, so ist es meistens seine eigene. Wie zum Beispiel bei dem in Riehen zu sehenden „Cape Cod Morning“, wo eine Frau mit undurchdringlicher Körperhaltung aus dem Fenster blickt: Was sieht sie? Ein Verbrechen, eine Sehnsucht? Sie, Josephine Verstille Nivison, lernte ihren Mann an an der Kunstschule in New York kennen. Selbst Künstlerin, gab sie ihre Ambitionen bei der Eheschliessung auf und wurde Exklusivmodell für ihren Mann. 1995 in New York wusste ich von all dem nichts. Ich wähnte mich in Hoppers Bilder. Die Landschaft, das Licht, die Häuser schienen mir fantastisch, absurd und wunderbar.  

Die Vernissage in Riehen ist proppenvoll. Wim Wenders ist da. Eigens für die Ausstellung hat er einen Film gedreht. Nicht da ist Nighthawks, das bekannte Paar an der Bar.  Die Ausstellung konzentriert sich auf Landschaft und Architektur. Ein ungewohnter Blick auf Hopper soll uns so ermöglicht werden. Bei mir gelingt‘s. „Burly Cobb’s House“ hat es mir angetan. Ein grün-metalliges Bild mit Hügel, Haus und Bäumen. Ich versinke. Keine Jo, weit und breit. Wenn schon Landschaft, dann farbig, meint meine Begleitung. Ihr gefällt „Railroad Sunset“ am besten. Den Sonnenuntergang gibts am Ausgang zum Glück nicht zu kaufen. 

Im Vorfeld der Ausstellung sehe ich einen Beitrag im TV. In etwa endete die Sendung mit dem Satz: „Und im Archiv des Whitney Museums in New York schlummern ungesehen die Bilder von Jo Hopper.“ Das Whitney verwaltet nicht nur den grossartigen Nachlass von Edward, sondern ebenso denjenigen von Jo Hopper. Es interessiert mich, wie ihre Bilder aussehen.

Mehr als eine Stunde betrachte ich die vielen Bilder. Das will was heissen, Manchmal muss ich warten, damit ich mich vor ein Bild stellen kann. So crowdy. Ruhe finde ich nur in mir selber.

Ich freue mich auf das amerikanische Bier. Popcorn will ich keines. Es ist kalt im Garten der Fondation und eines weiss ich: Ich komme wieder.

Edward Hopper: Burly Cobb‘s House, South Truro, 1930-1933

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