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von Aurelia Becker
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Italienisch für Kinder

Perché non ti metti il vestito bianco? Zwischen den beiden Schwestern entwickelte sich dieser Satz zu einem Running Gag. Jedes Mal, wenn die eine etwas Weisses trug, schmetterte die andere in höllischem Tempo der anderen ins Ohr: Perché non ti metti il vestito bianco? Das war einziges Ergebnis einer zweijährigen Bemühung vaterseits, seinen Töchtern das Italienisch näherzubringen. An Fatmas zehntem Geburtstag stellte der Vater fest, dass sich Sprache nicht genetisch weitergeben lässt und handelte: Ab sofort sollten seine Töchter am schulfreien Nachmittag in den vom Pro Ticino organisierten Italienischkurs. Der Kurs half den Tessinerkindern in der Deutschschweiz, das Italienisch nicht nur zu sprechen, sondern auch zu schreiben.

Fatma und Magda konnten beides nicht. Das störte Magda nicht. Höhepunkt des Kurses war eine öffentlicher Gedichtrezitation im Blumenkostüm beim "Papa Natale". La rugiada chi sembre d' argento. Im Italienischkurs lernte Magda Ruggero kennen. Er nahm sie ins Kaufhaus mit. Sie wollten stehlen. "Schieb die Ringe und Ketten in meine Tasche", meinte Ruggero und mit rotem Kopf tat Magda, was Ruggero sie geheissen. Sie waren fast draussen, da wurden sie von einer Frau im Reportermantel am Handgelenk gepackt und  in ein Hinterzimmer geschleppt. Ein Mann mit Telefon sass dort. "Die Nummern euer Eltern?" Ruggeros Mutter war zuhause und holte ihn ab. Da bei Magda niemand zuhause war, blieb sie drei Stunden dort, bis der Laden schloss und sie dem Mann versprach, ihre Eltern würden ihn zurückrufen (was sie auch taten). Seit da klaute Magda nicht mehr geklaut und auch den Italienischkurs durften Fatma und  sie fallen lassen.

 

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